Ich darf endlich darüber reden, über mein Glück. Mein Chef hat mir ab Januar mehr Stunden angeboten. Schon nachgerechnet, ich bin dann endlich das Jobcenter los! Über 5 Jahre hat es jetzt gedauert. Erst Jobverlust, schwere Krankheit, Krankengeldbezug, danach Arbeitslosengeld, dann Jobcenter, dann eine selbst bezahlte Umschulung, dann ein Job, dann noch ein Job, aber weiterhin Aufstockerin beim Amt gewesen. Ab Januar bin ich endlich wieder eine freie Frau. Niemand mehr der mir Druck macht, Niemand der mich ständig kontrolliert, Niemand der über mein berufliches Leben entscheiden darf. Nur noch ich! Endlich ein selbst bestimmtes, unabhängiges Leben, trotz schwerer Krankheit und Behinderung. Es war ein weiter Weg und ich musste viel kämpfen, aber ich habe niemals aufgegeben, ich wollte mich nie mit lebenslanger Krankheit und der damit verbunden Bevormundung abfinden. Gut eingefleischte Hartz IV Kandidaten werden vielleicht sagen, dass es zu wenig Geld ist. Wer geht schon 100 Stunden arbeiten, um dann keine 100 Euro mehr zu haben, als als Aufstockerin mit dem Amt. Das ist mir aber scheißegal, es geht hier um Freiheit, um Selbstbestimmung und meinen Stolz. Ich bin stolz darauf meinen Job zu haben, ich bin stolz darauf keine Hilfen mehr zu brauchen und verdammt glücklich.
Heute doch Licht an zum Morgen. Zu finster hier und kalt. Ganz ok geschlafen und jetzt extra Zeit im Gepäck, weil gestern der Weg zur Arbeit statt 30 Minuten fast 1,5 Stunden gedauert hat. Frühschicht wird nie meins, aber wird schon. Mails vom Vater erhalten, es sind durch den Spendenaufruf zu ihrem Tod, über 1000 Euro für spanische Todeshunde zusammen gekommen. Das hätte sie gefreut, ganz viele Hunde aus Spanien vor dem Tod retten. Die eigentlich beste Freundin hat sich auch wieder gemeldet und erkundigt sich nach meinem Zustand. Keine Ahnung, wann und wie ich darauf antworten werde, ist schon ein dickes Ding die beste Freundin mit dem Tod ihrer Mutter allein zu lassen. Magen scheint besser zu werden, ich hoffe es liegt nicht nur an den ganzen Pillen. Geld ist da, endlich wieder schwarze Zahlen auf dem Kontoauszug. Tapfer durch die Woche, irgendwie kommt mir das alles unrealistisch vor, 5 Tage die Woche am Stück zu arbeiten und dann noch an zwei verschiedenen Stellen. Ich weiß für die meisten Menschen ist eine 5 Tage Woche normal, aber ich habe das in den letzten Jahren nur im Ausnahmefall gemacht. Laut Arbeitsamt Gutachten kann ich auch gar nicht soviel arbeiten. Wie ich jetzt weiß ist das Gutachten veraltet. Wie ich letzte Woche hörte, gehöre ich zu den 5 % der gesunden Jobcenter-Empfänger, die es ohne fremde Hilfe geschafft haben, wieder in Arbeit zu kommen. Betrachtet man, dass ich, aber streng genommen nicht gesund bin, dürfte die Prozentquote noch geringer ausfallen, ich sehe es mal als mein persönliches Wunder. Auf in den Tag, ich vermute es wird ruhig.